Furbo Hundekamera – ein Testbericht

Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt, ob ich Interesse daran hätte, die Furbo Hundekamera, eine Überwachungskamera samt Leckerli-Spender-Funktion, zu testen. Eigentlich war ich sehr skeptisch, denn Werbebeiträge in meinem Blog passen mir nicht ins Konzept. Da mir auf Nachfrage jedoch versichert wurde, dass der Testbericht an keinerlei Vorgaben geknüpft sei, also auch Kritikpunkte frei genannt werden können, habe ich schließlich zugesagt. Da ich jedoch das Glück habe, meine eigene Hündin mit in die Arbeit nehmen zu dürfen und sie kein Hund ist, der beim alleine bleiben etwas anderes macht, als vielleicht mal den Schlafplatz zu wechseln, habe ich für den Test der Hundekamera einen geeigneteren Hund gesucht, bei dem der Einsatz eines solchen Gerätes mehr Sinn macht. Daher wurde der Test von meiner Freundin und Kollegin Christina Platzer – ihres Zeichens Hundephysiotherapeutin – und ihrem Hund Lou durchgeführt, die euch im folgenden Text ihren Bericht als Gastbeitrag in meinem Blog präsentieren. 

Hinweis: Die Furbo Hundekamera mit Leckerli-Ausgabe ist im Moment um ca. 200 Euro am Markt erhältlich. Das getestete Gerät wurde uns freundlicherweise als kostenloses Testexemplar (samt einer Packung sehr nett verpackter, passender Leckerlis) zur Verfügung gestellt. Wie erwähnt waren an den Test keinerlei Forderungen geknüpft und Testerin Christina bzw. mir wurden keine Vorgaben oder Restriktionen bezüglich des Inhaltes des Berichtes gemacht. Im gesetzlichen Sinne handelt es sich bei diesem Beitrag dennoch um Werbung. 

Hintergründe zum Training mit Lou

Lou kam im Alter von 3-4 Jahren aus Spanien zu mir und hat seit Beginn starke Trennungsangst und dementsprechend Probleme mit dem Alleinebleiben. Die Furbo Kamera soll uns dabei helfen, das Training zu optimieren und Lou Stück für Stück ans Alleinebleiben zu gewöhnen.
Damit Lou nicht überfordert wird und unser Training hoffentlich mit Erfolg gekrönt ist, bauen wir es in kleinen Schritten auf. Dazu gehört neben diversen Hilfsmitteln wie konditionierter Entspannung oder einer „Wohlfühlzone“ in der Wohnung auch das Gewöhnen an eine sogenannte „Trennungszeit“ in der ich mich zwar in der Wohnung aufhalte, ich für ihn aber nicht verfügbar bin und mich in einem anderen Raum befinde. Dabei soll er lernen, auch ohne meine direkte Anwesenheit entspannen zu können. Bisher musste ich lauschen ob er ruhig ist oder mal vorsichtig um die Ecke schauen, wenn ich wissen wollte, was er macht. Das bekommt er natürlich mit und ist suboptimal für das Training. Mit der Furbo Kamera kann ich ihn jetzt einfach auf dem Smartphone beobachten, ohne dass er es mitbekommt. Ich sehe und höre wie schnell er entspannt oder ob er vielleicht auf andere Ideen kommt und kann danach entscheiden, ob wir zum nächsten Trainingsschritt weitergehen können.
In diesem werde ich mich auch mal für kurze Zeit aus der Wohnung begeben, mal vor die Tür oder in den Keller gehen. Und wenn das problemlos klappt, auch mal einige Minuten vor dem Haus verbringen.
Durch die Kamera und die Audio-Funktion kann ich direkt auf Lous Verhalten reagieren und das Training entsprechend anpassen oder im Notfall auch abbrechen. Die Zeiten in denen ich die Wohnung verlasse werden in den weiteren Schritten immer mehr und mehr ausgeweitet, bis Lou hoffentlich auch für eine etwas längere Zeit alleine Zuhause bleiben kann, ohne dabei panisch zu werden oder permanentem Stress ausgesetzt zu sein. Mit der Kamera habe ich dann immer im Blick wie es ihm aktuell geht, werde benachrichtigt falls er doch mal bellt und kann erkennen welche Faktoren ihn eventuell stressen.
Die Leckerlifunktion konnte ich bisher noch nicht in das Training einbauen, da ihn das (recht laute) Geräusch des Motors momentan noch sehr aufregt. Unabhängig vom restlichen Training gewöhne ich ihn weiterhin daran und werde sehen, ob und wie ich sie nutzen kann. Nun aber zum eigentlichen Test der Furbo Kamera:

Aussehen / Lieferumfang

Die Furbo Kamera wirkt trotz ihrer Größe sehr unauffällig und schlicht. Das schlanke, in weiß gehaltene Design mit Deckel in Bambusoptik erinnert eher an eine Vorratsdose als an eine Überwachungskamera oder einen Leckerli-Automaten. Insgesamt macht die Kamera einen sehr hochwertigen und stabilen Eindruck, für einen besseren Stand befinden sich an der Unterseite drei extra starke Klebebänder zur festen Montage. Im Lieferumfang befinden sich außerdem ein USB Kabel und zwei Steckdosen Adapter.

Funktionen im Überblick:

  • 1080p Full HD Video Auflösung
  • 4-fach optischer Zoom
  • 160° Weitwinkel
  • Nachtsichtfunktion
  • Foto- und Videoaufnahme
  • 2-Wege-Kommunikation
  • Bell-Alarm per Push-Benachrichtigung
  • Leckerli Wurf Funktion

Installation / Inbetriebnahme

Das Ersteinrichtung war denkbar einfach und sollte auch für Techniklaien kein Problem darstellen. Die sowohl für Apple als auch Android verfügbare App ist schnell installiert, diese benötigt Berechtigungen u.a. für Bluetooth und WLAN-Informationen, damit sie sich mit der Kamera verbinden kann. Nach kurzer Registrierung mittels Emailadresse kann es auch schon losgehen und man wird anhand einer Schritt für Schritt Anleitung durch die Installation der Furbo Kamera geleitet. Dies gelang zumindest bei mir problemlos und auf Anhieb, sodass die versprochene Installationsdauer von 3-5 Minuten nahezu eingehalten wurde.

Mit Amazon Alexa und der Apple Watch soll die Furbo Kamera auch kompatibel sein, dies konnte ich allerdings nicht testen.

Im oberen Bereich der Kamera befindet sich der bereits erwähnte Bambusdeckel, dieser sitzt mittels Gummidichtung recht fest auf der Kamera und scheint Leckerli Gerüche gut abzufangen. Lou hat beim Befüllen zugeschaut und das ganze direkt als „verschlossene Dose“ akzeptiert.
In das Leckerli-Fach passt ca. eine Hand voll Futter. Wichtig ist hierbei, dass das Futter die richtige Größe und Konsistenz besitzt, da es unter Umständen sonst stecken bleiben kann.

Praxistest der Funktionen

Die Kamera verfügt über eine maximale Auflösung von 1080p. Bei langsamer Internetverbindung oder um das aufkommende Datenvolumen zu reduzieren, kann in der App zwischen 360p, 720p und 1080p Auflösung gewählt werden. Das Bild ist bei guten Lichtverhältnissen wirklich sehr gut und klar, aber auch bei schlechterem Licht oder geringerer Auflösung ist die Qualität absolut zufriedenstellend. Die Videoübertragung läuft zumeist recht flüssig, ich hatte bei den ersten Tests immer mal wieder kurzzeitig Standbilder, wenn ich über die mobilen Daten auf die Kamera zugriff. Dies lag aber vermutlich an meiner Internetverbindung. Verbindungsprobleme, von denen man in anderen Berichten immer mal wieder liest, konnte ich nicht feststellen. Die Anmeldung dauert je nach verfügbarer Internetgeschwindigkeit mal kürzer, mal länger, jedoch immer ohne sich aufzuhängen. Auch im sonstigen Gebrauch hatte ich keine Probleme damit, dass die App abstürzt oder hängen bleibt.

Dank des 160° Weitwinkels und dem 4-fach Digitalzoom hat man bei richtiger Platzierung (vom Hersteller wird jedoch eine Platzierung von 30-50cm über dem Boden empfohlen) einen guten Überblick über den Raum, auch wenn die Kamera im Vergleich zu üblichen Überwachungskameras nicht bewegt werden kann. Mit der Infrarot Nachtsicht Funktion erhält man auch bei schlechteren Lichtbedingungen bzw. in der Dunkelheit ein erstaunlich gutes Bild, diese schaltet sich bei Bedarf automisch ein (kann in der App ausgewählt werden).

Mittels der 2-Wege-Audio Funktion soll man den Hund hören, aber auch mit ihm sprechen können. Die Sprach-Funktion funktioniert gut, die Stimme ist nicht verzerrt, allerdings reagiert Lou gar nicht darauf. Der in meinen Augen viel wichtigere Bell-Alarm funktioniert hingegen sehr gut, bei mittlerer Empfindlichkeit (diese kann in der App in drei Stufen angepasst werden) lieferte er bei den ersten Testen exakte Ergebnisse, auch die Push-Benachrichtigung aufs Handy funktionierte zuverlässig.

Der integrierte Leckerlispender soll ermöglichen, den Hund auch aus der Entfernung zu bestätigen oder mit ihm zu spielen. Hierbei muss man allerdings das ein oder andere beachten. Wichtig ist unter anderem die richtige Größe und Konsistenz der Leckerlis, am besten funktionieren laut Hersteller trockene Leckerlis mit einem Durchmesser von ca. 1cm. Ich verwende Trockenfutter für kleine Hunde und hatte bisher keine Probleme damit, dass der Auswurf verstopft.

Das Werfen der Leckerlis über die App funktioniert problemlos, selbstverständlich gibt es hier eine leichte Zeitverzögerung, ein exaktes Bestätigen bzw. Timing wie mit einem Clicker ist so natürlich nicht möglich. Sobald man den Wurf ausgelöst hat, gibt die Furbo Kamera ein akustisches Signal aus und fängt recht laut an zu „rödeln“, danach wirft sie ein oder mehrere Leckerlis aus. Diese werden mit ordentlich Power abgefeuert und fliegen mitunter durch den ganzen Raum. Hier muss man unbedingt darauf achten, dass die Leckerlis nicht unter oder auf Möbelstücke geworfen werden können, da sonst Frustrations- oder auch Verletzungsgefahr für den Hund besteht. Anstatt dem akustischen Signal kann z.B. die eigene Stimme aufgenommen werden. Da die Geräusche zum Leckerli Werfen sehr laut sind, sollte der Hund auf jeden Fall langsam an die Funktion gewöhnt werden, da ihn diese durchaus erschrecken kann. Außerdem sollte man darauf achten, ob ihn das Geräusch und die Leckerlis zu sehr in Aufregung versetzen, das könnte kontraproduktiv für entspanntes Alleinebleiben sein.

 

Die Leckerlifunktion ist insgesamt jedoch ein toller Zusatz zur Kamera und ich kann mir durchaus vorstellen, sie beim Training einzusetzen. Allerdings ist die Geschwindigkeit in der die Leckerlis ausgeworfen werden und vor allem die Geräuschentwicklung dabei nicht zu unterschätzen und erschreckte die meisten Testhunde hier im ersten Moment. Hier besteht meines Erachtens noch Verbesserungsbedarf.
Wünschenswert wäre außerdem eine Mitteilung wenn das Leckerlifach leer oder der Auswurföffnung verstopft ist, da man dies auf der Kamera nicht unbedingt erkennen kann. Durch eine entsprechende Warnmeldung, dass kein Leckerli ausgegeben wurde, könnte so unnötiger Frust vermieden werden, wenn der Hund aufgrund des Signals ein Leckerli erwartet, aber keines erhält.

Die Furbo Kamera verfügt außerdem über eine Signalleuchte am unteren Rand, diese wechselt während des Betriebs zwischen gelb (Schlafmodus) und blau (interaktiver Modus, wenn man in der App aktiv ist). Hier wurden mit blau und gelb die beiden Farben gewählt, die Hunde am besten sehen und voneinander unterscheiden können. Die Grundidee dahinter ist gut gedacht, allerdings ist meiner Meinung nach die Umsetzung mit nur einem Leuchtstreifen am unteren Rand nicht so optimal, da die Hunde diesen scheinbar kaum wahrnehmen.

Neben der Verwendung Zuhause kann ich mir die Furbo Kamera auch sehr gut für unterwegs vorstellen. Da die Kamera nur mit direktem Stromanschluss und nicht über Akkus betrieben wird, müsste sich hierbei mit einer entsprechend starken Powerbank beholfen werden können. Sofern am geplanten Einsatzort kein W-Lan zur Verfügung steht, kann mit einem weiteren Smartphone oder Tablet ein mobiler Hotspot eingerichtet werden. Ob diese Idee wirklich reibungslos funktioniert, werde ich noch genauer testen.

Durch den mobilen Einsatz würden sich die Einsatzmöglichkeiten jedenfalls enorm erweitern. Man könnte dem Hund beim Alleine-Bleib-Training im Auto unterstützen oder sich auch im Urlaub darüber vergewissern, dass es ihm gut geht, wenn er für kurze Zeit im Wohnmobil oder der Ferienwohnung alleine bleiben muss.

Generell sollte man das verbrauchte Datenvolumen auf dem Smartphone und die dabei entstehenden Kosten im Auge behalten. Der Hersteller gibt hierfür folgende Richtwerte pro 5 Minuten Videonutzung an: 29MB Datenverbrauch bei einer Videoqualität von 720p und 6,6 MB bei einer Qualität von 320p.

Fazit

Alles in allem ist die Furbo Kamera ein tolles Produkt das vor allem aufgrund seiner Zusatzfunktionen sehr viel Potential hat, das Alleine-Bleib-Training zu unterstützen und das Wohlbefinden des Hundes im Auge zu behalten, während dieser alleine ist.

Wirklich betont werden sollte hier allerdings noch, dass die Kamera trotz Leckerlispender und Sprachfunktion das Training nur unterstützen, aber nicht ersetzen sollte. Die Grundlage für einen entspannten Hund während dem Alleinebleiben ist ein positiv und kleinschrittig aufgebautes Training.

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